Ist die Trockenreinigung hygienisch sicher? Augenmerk verschoben

Universitätsklinikum Freiburg

Das staubbindende Wischverfahren und die Nassreinigung sind für Andrea Schlatter, Sachgebietsleiterin Gebäudereinigung und Schutzbekleidungsversorgung am Klinikum Freiburg und für ihre Kollegin Anne Neuwöhner von der Krankenhaushygiene, aus hygienischer Sicht absolut gleichwertig. Das bestätigt auch eine Studie. Und nicht nur das. Das Verfahren bietet zudem eine Reihe von weiteren Vorteilen, die sich am Ende sogar noch positiv auf die Hygiene im Krankenhaus auswirken können.

Lesen Sie auch untenstehend den Kommentar von Andy Schröder von Electrolux Professional, warum das Trockenreinigungsverfahren nicht die Mopp-Waschmaschine ersetzt.

Den Druck, ihre Kosten zu reduzieren, spüren mehr oder weniger alle medizinischen bzw. Pflegeeinrichtungen. Nicht wenige Kliniken haben deshalb Serviceleistungen wie die Gebäudereinigung ausgesourct. Das Universitätsklinikum Freiburg beschreitet dagegen einen anderen Weg. Sie setzen nach wie vor stark auf die Eigenreinigung und versuchen, vorhandenes Optimierungspotential zu heben. Bereits 2013 stellte die Abteilung von Andrea Schlatter deshalb ihre gesamten Prozesse auf den Prüfstand.

Das vom Klinikum beauftragte externe Forschungs- und Prüfinstitut für Facility Management (FIGR) nahm dabei von den Prozessabläufen bis hin zu den eingesetzten Reinigungsmaterialien „alles unter die Lupe“, so Schlatter. Am Ende erhielt die Abteilung einen ausführlichen Empfehlungskatalog. Das staubbindende Trockenwischen, das lose aufsitzenden Schmutz wie Haare, Staub, Flusen oder Krümel von Hartbodenbelägen wie PVC, Fliesen, Linoleum oder Parkett mit einem trockenen Wischbezug bzw. Vlies aufnimmt und damit den Boden säubert, war dabei ein Punkt, „der in mehrfacher Hinsicht eine Optimierung versprach“, erinnert sich die gebürtige Schweizerin.

Um zu prüfen, ob sich das staubindende Trockenwischen für das Klinikum mit seinen über 2000 Betten und rund 250.000 Quadratmetern Reinigungsfläche eignet, startete Schlatter im Juli 2013 ein Pilotprojekt. Sie ließ einzelne Patientenzimmer mit dem staubbindenden Wischverfahren reinigen. Anschließend prüfte Anne Neuwöhner von der Abteilung Krankenhaushygiene mit Hilfe mikrobiologischer Tests, ob die Hygienevorgaben eingehalten wurden. Dafür nahm Neuwöhner vor und nach der sogenannten Trockenreinigung an ähnlichen Stellen im Zimmer jeweils zwei Abklatschproben. Die Platten mit den vom Boden aufgenommenen Mikroorganismen ließ sie danach zwei Tage im Brutschrank bei 22 Grad Celsius bebrüten und zählte dann die „Kolonien“ aus.

Insgesamt 256 Abklatschuntersuchungen führte Neuwöhner durch. Die Ergebnisse sprachen für sich: „Ich konnte eine durchschnittliche Reduktion der Mikroorganismen um ca. 80 Prozent feststellen“, so die Hygieneexpertin. Ein Wert, der in dieser Studie sogar die Keimreduktion durch die Nassreinigung übertraf.

Aufgrund der Ergebnisse entschied sich die Klinik, die Trockenreinigung auf alle Stationen auszurollen. Ausgenommen sind lediglich jene Bereiche, wie OP-Säle und Intensivstationen, die laut Hygieneplan desinfiziert werden müssen. Aber selbst die Toiletten und Bäder lassen sich laut Schlatter über das staubbindende Wischverfahren reinigen, sofern sie nicht komplett nass sind.

Da sich anhaftender Schmutz jedoch nicht über die eingesetzten Wischtücher bzw. Vliese aufnehmen lässt, wird dieser nach wie vor nass entfernt, aber nicht großflächig, sondern punktuell. Die Entscheidung, welches der vier möglichen Verfahren (Nassreinigung, Staubbindendes Wischverfahren, punktuelle Nassreinigung oder gar kombinierte Anwendung zuerst Staubbindendes Wischverfahren und im Anschluss eine einstufige Nassreinigung) für welche Stellen eingesetzt wird, obliegt in Freiburg komplett den geschulten Reinigungskräften. „Sie wissen, welche Hygienevorgaben bei uns herrschen und wie sie diese erfüllen“, betont Schlatter. Es wurde daher auch kein bindender Rhythmus festlegt, wie oft ein Bereich pro Woche mit dem einen oder anderen Verfahren gereinigt werden kann.

Um die Reinigungsverfahren einsetzen zu können, stehen den Reinigungskräften sämtliche Geräte und Materialien griffbereit zur Verfügung. In Freiburg werden zumeist spezielle Mehrweg-Wischbezüge verwendet, die zum „alten“ Reinigungssystem kompatibel sind. Das heißt, wird die Stelle oder der gesamte Boden nass gereinigt, entnimmt die Mitarbeiterin einen vorgetränkten Wischbezug aus der auf dem Reinigungswagen mitgeführten Box.

Ein weiterer Behälter enthält zudem die Bezüge für die Trockenreinigung. Darüber hinaus kommen in Freiburg auf einzelnen Stationen bzw. in einzelnen Gebäudebereichen auch noch Einwegvliese zum Einsatz. Die hier eingesetzten Reinigungswagen verfügen deshalb über eine Halterung für die Vliesrolle sowie für das dafür passende Reinigungssystem. Für die Nass- wie für die Trockenreinigung gilt dabei immer – frische Bezüge für jedes Patientenzimmer. Dieses Prinzip gilt auch für den Einsatz der Einwegvliese.

Die Vorteile der Trockenreinigung liegen für Schlatter und Neuwöhner auf der Hand: Die Böden sind nicht nur optisch und hygienisch sauber, sie können von Patienten, Personal und Besuchern auch sofort wieder betreten werden. Die Gefahr, auf einem nassen Boden auszurutschen, wurde durch die Trockenreinigung reduziert. Fast 400.000 Liter Wasser und fast 1.000 Liter Reinigungsmittel werden mittlerweile pro Jahr im Klinikum durch den Einsatz des staubbindenden Trockenwischens eingespart. Zudem werden die Böden geschont, denn durch eine zu feuchte Reinigung können auf dem Boden unschöne Streifen bzw. Abdrücke entstehen, die aufwändig wieder entfernt werden müssen.

Auch die Mitarbeiterinnen profitieren, denn das Trockenwischen ist körperlich weniger anstrengend, damit zeitsparender und zudem hautschonender da keine Gummihandschuhe getragen werden müssen. Der größte Pluspunkt für die Patienten, Besucher und Mitarbeiter ist jedoch, dass die Reinigungskräfte jetzt „ihr Augenmerk stärker vom Boden auf die Griffflächen an z. B. Telefonen, Fernbedienungen, Nachtschränken und anderen Oberflächen lenken und diese nun intensiver reinigen“, so Schlatter.

Die durch die Trockenreinigung gewonnene Zeitersparnis fließt jedoch nicht nur in die Oberflächenreinigung. Die Mitarbeiterinnen investieren diese auch in die Bodenaufbereitung bzw. -pflege und in die Auffrischung ihrer Hygiene- bzw. Reinigungskenntnisse. Denn einfach loslegen, bringt laut Schlatter nicht die entsprechenden Ergebnisse. „Das staubbindende Wischverfahren erfordert ein ergebnis-orientiertes Arbeiten und daher entsprechend geschulte Mitarbeiter“.

Kliniken bzw. Pflegeeinrichtungen, die sich für das Trockenreinigen interessieren, empfehlen Schlatter und Neuwöhner daher, das Personal intensiv zu schulen und bei der Umstellung mitzunehmen. In Freiburg wurden die Reinigungskräfte deshalb durch die FIGR mit dem Verfahren und seinen Vorteilen bekannt gemacht.

Nach vier Jahren Einsatz ist die Akzeptanz des Verfahrens hoch, auch weil die Reinigungskräfte im Rahmen des vorgegebenen Hygieneplans „selbständig agieren können, das stärkt ihre Kompetenz und ihr Verantwortungsgefühl“ so Schlatter.

So gelingt die Umstellung auf das staubbindende Wischverfahren:

  1. Kostenanalyse im Vorfeld – beispielsweise, sollte die Frage geklärt werden, ob die Reinigungswagen umrüstbar sind und ob es Wischbezüge für die Trockenreinigung gibt, die zum eingesetzten Reinigungssystem passen bzw. ob weitere Halterungen für die Einwegvliesrolle und das dafür notwendige Reinigungssystem angebracht werden können;
  2. Intensive Aufklärung und Schulung der Mitarbeiterinnen zum Verfahren;
  3. Stärkung der Eigenverantwortung der Reinigungskräfte, sie müssen situationsbedingt entscheiden können und dürfen, ob sie trocken bzw. nass reinigen.

 

Kommentar von Andy Schröder von Electrolux Professional:


Trockenreinigung: Braucht man jetzt keine Mopp-Waschmaschine mehr?

Auch wenn viele Gesundheitseinrichtungen in Deutschland der Meinung sind, dass das Beseitigen von Schmutz u.a. mit Hilfe von Wasser am effektivsten ist, gibt es Bereiche, die nicht zwingend nassgewischt werden müssen. Trotzdem und aus Gewohnheit werden häufig auch Bereiche ohne Infektionsrisiko regelmäßig nass und/oder desinfizierend gereinigt.

Studien belegen, dass das Nasswischen mit erhöhtem körperlichem Aufwand für das Reinigungspersonal verbunden ist. Wenn hier Abhilfe durch Trockenreinigung geschaffen werden kann, also nur dort nass und/oder desinfizierend gereinigt wird, wo die Notwendigkeit besteht, ist das gut für unsere Kunden und deren Mitarbeiter – und auch für die Umwelt.

Eine Mopp-Waschmaschine erübrigt sich durch die Trockenreinigung jedoch nicht, da es weiterhin Bereiche gibt, die aufgrund der gesetzlichen Vorgaben für die Sicherheit für Patienten und Angestellten in den Einrichtungen und auch durch die Art der Verschmutzung bzw. Bodenbeschaffenheit, nass bzw. desinfizierend gereinigt werden müssen. Wasch- und Badezimmer werden weiterhin nass gewischt, auch verschmutzte Flure oder Küchenböden benötigen weiterhin die Nassreinigung mit einem Wischmopp. Außerdem kommt auch die Trockenreinigung nicht ohne das Wischtuch oder den Mopp aus. Schließlich wischen auch Einrichtungen, die auf die Trockenreinigung „umgestellt“ haben, in regelmäßigen Abständen nass. Das tut auch den Böden gut, deren Qualität sonst beeinträchtigt würde. Trockenreinigung ergänzt die Nassreinigung, das heißt, die Mopp-Waschmaschine wird weiterhin ein wichtiges Arbeitsmaterial des Reinigungsservices sein.

Um Reinigungsdienstleistern, Seniorenheimen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen eine noch größere Prozesssicherheit zu bieten sowie Arbeitserleichterungen durch optimierte Textilaufbereitung (siehe Textiltest mit Weber & Leucht) zu schaffen und zusätzlich Kosten und Zeit zu sparen, führt Electrolux Professional 2019 eine völlig neue Maschinengeneration (L6000) an Waschmaschinen und Wärmepumpentrockner in den Markt ein.